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Das Scheffeljahr

Zum 200. Geburtstag von Joseph Victor von Scheffel

 

Scheffel gehörte zu den populärsten Schriftstellern seiner Zeit und war eng mit der Bodenseeregion verbunden.

Vom Scheffelschlösschen auf der Mettnau, der Singener Scheffelhalle sowie der Ekkehardschule bis hin zum Trompeter von Säckingen: An diesem großen Dichter kommt man nicht vorbei. Zu Radolfzell hatte er einen ganz besonderen Bezug. Mehrere Denkmäler machen das Bodenseestädtchen bis heute zu einem begehbaren Erinnerungsort.

 

Joseph Victor von Scheffel wurde am 16. Februar 1826 in Karlsruhe geboren. Ursprünglich wollte er Maler werden, wurde jedoch auf Drängen seines Vaters Jurist. Bekanntheit erlangte er jedoch als einer der größten deutschen Dichter. Diesen Ruhm hatten ihm das „Gaudeamus“, eine berühmte Sammlung von Studentenliedern, Gedichten und humoristischen Texten, sowie der „Trompeter“ und „Ekkehard“ ermöglicht, eine im 10. Jahrhundert auf dem Hohentwiel spielende Geschichte rund um den gelehrten St. Galler Klosterbruder Ekkehard und die Schwabenherzogin Hadwig.

 

Im Sommer 1864 heiratete von Scheffel Caroline Freiin von Malsen und führte ab dann eine als glücklos geltende Ehe. Als im Februar 1865 seine Mutter starb, ging er nach Karlsruhe, um seinen seit Geburt an körperlich und geistig eingeschränkten Bruder und den derweil gebrechlichen Vater zu pflegen. Seine Ehefrau kehrte bald in die Schweiz zurück, sodass das Paar bereits bei der Geburt des Sohnes Victor im Mai 1867 nicht mehr zusammenlebte. Als sein Sohn zweieinhalb Jahre alt war, holte er ihn gegen den Willen seiner Ehefrau nach Karlsruhe, um sich alleine dessen Erziehung zu widmen.

 

Von 1871 bis 1885 verbrachte der vom württembergischen König und vom badischen Großherzog geadelte Dichter seine Sommertage in Radolfzell, wo er als Gutsherr, Landwirt, Jäger und Fischer ein bewegtes Leben führte. Für „vorzügliches Tafelobst“ hatte er auf einer Gauausstellung gar ein Belobigungsdiplom erhalten. An seinen Schreibtisch kam der Dichter selten – so erzählen die Geschichtsbücher. Im Jahr 1876, zu seinem 50. Geburtstag, verlieh ihm die Stadt Radolfzell das Ehrenbürgerrecht. Noch im selben Jahr erwarb von Scheffel Grundstücke auf der Halbinsel Mettnau. Durch den Verkauf seiner Bücher zu Wohlstand gekommen, ließ er sich im Jahr 1872 vom Karlsruher Architekten Josef Durm die nahe der Radolfzeller Innenstadt gelegene „Villa Seehalde“ erbauen, die heute zur medizinischen Einrichtung METTNAU gehört. Seit 1876 führte von Scheffel ein Familienwappen. Es zeigt einen bekrönten Pegasus und eine Taube mit einem Ölzweig im Schnabel. Das Scheffeldenkmal, eine steinerne Säule mit der Büste des Dichters, wurde 1886 im Garten der Villa Seehalde errichtet und ziert heute die Kulisse des Scheffelschlösschen auf der Mettnau.

 

Im Jahr 1886 hatte man eine große Feier anlässlich seines 60. Geburtstags vorbereitet, an der er krankheitsbedingt nicht mehr teilnehmen konnte. Zuletzt mit seiner Frau versöhnt, verstarb 

Joseph Victor von Scheffel am 9. April desselben Jahres in seinem Karlsruher Elternhaus.

 

 

Das Scheffelschlösschen der Mettnau – Aussichtspunkt, Denkmal, Zeitzeuge

Idyllisch am Rande der Mettnau gelegen, erhebt sich das Scheffelschlösschen – eines der bekanntesten Wahrzeichen Radolfzells. Das im Stil der Neorenaissance entworfene Scheffelschlösschen verbindet bis heute Landschaftserlebnis und Literaturgeschichte. Der Blick über den Untersee bis zu den Alpen erinnert daran, warum gerade diese Gegend Dichter und Reisende gleichermaßen anzog. Radolfzell und die Mettnau inspirierten Scheffel, und er förderte den Bekanntheitsgrad der Region durch seine Werke.

 

Von Scheffel verbrachte seit dem Jahr 1869 den Sommer auf der Halbinsel Mettnau. Im Winter 1871 erwarb der Dichter ein Grundstück auf der Halbinsel Mettnau, um sich vom Trubel um seine Person zurückzuziehen. Nachdem er in den Adelsstand erhoben worden war, erwarb er 1876 das Gut Mettnau und baute das alte Rebgutpächterhaus zum Wohnsitz aus. Für den Entwurf des „Scheffelschlösschen“ mit seinem markanten Eckturm, konnte der Dichter Architekten Karl von Großheim gewinnen, der einem der erfolgreichsten Architekturbüros im Deutschen Kaiserreich angehörte.

 

Das Scheffelmuseum Radolfzell im Scheffelschlösschen auf der Mettnau bestand ab 1928 mit Unterbrechungen als Gedenkstätte für Joseph Viktor von Scheffel, ehe es 1963 wegen Personalmangels endgültig geschlossen werden musste.

 

Das heutige Radolfzeller Stadtmuseum, das in der alten Stadtapotheke beheimatet ist, ehrt den Dichter mit einer Dauerausstellung. Im sogenannten Scheffel-Separée sind Objekte des Dichters zu sehen, mit Texten, die aus der Feder des langjährigen Museumsleiters Achim Fenner stammen.

 

Das Scheffelschlösschen beherbergt heute den Sitz des Kurdirektors und Geschäftsführung des städtischen Kurbetriebs METTNAU. In den Räumlichkeiten im Erdgeschoss des altehrwürdigen Bauwerks sind einige Ausgaben von Scheffels Werken ausgestellt. Zudem sind das Kaminzimmer und die ehemalige Bibliothek mit verschiedenenWandmalereien noch original erhalten. Man mag fast die Historie und Magie des Ortes spüren. Nicht umsonst wählen Heiratswillige das historische Kaminzimmer des Scheffelschlösschen als romantische Kulisse für ihre standesamtliche Trauung. Nach dem Ja-Wort findet man am Mettnau-Steg, vor dem unvergleichlich schönen Panorama des Bodensees eine tolle Kulisse für die Hochzeitsfotos. Gleich nebenan, bietet das Restaurant Strandcafé die geeigneten Räumlichkeiten zum gemeinsamen Feiern.

 

Zum Scheffeljahr, das in das Jubiläum „1200 Jahre Stadtgeschichte Radolfzell“ fällt, rückt das Scheffelschlösschen ins öffentliche Bewusstsein – als lebendiger Teil der Radolfzeller Stadtgeschichte.

 

Kurioses

Von Scheffel hatte in seinem Schlösschen ein besonderes Kneipzimmer eingerichtet, in dem er 

seinen Besuchern verschiedene gute Tropfen aus seinem Keller kredenzte sowie einen Humpen des vortrefflichen Radolfzeller "Höllenbräu". In der Dauerausstellung des Radolfzeller Stadtmuseums findet man einige Pokale, Krüge und Trinkgefäße, die aus der Sammlung von Joseph Victor von Scheffel stammen. Einst waren sie im Speisezimmer des Scheffelschlösschens auf einem rings um die Wände laufenden Gesims aufgestellt. Es soll sich nicht nur um Geschenke seiner Freunde, Bekannten und Verehrer handeln, sondern auch um Gegenleistungen, die er erbeten hatte, wenn er die Abschrift eines seiner Gedichte gestattete.

(Quelle: Stadtmuseum Radolfzell)

 

Von Erfolg gekrönt

Nach Goethe und Schiller rangierte von Scheffel im 19. Jahrhundert, gemessen an der Auflagenhöhe, an dritter Stelle. Bis zur Jahrhundertwende sind von seinen Werken mehr als eine Million Exemplare verkauft worden. Dieser Erfolg machte Scheffel nicht nur zum Bestsellerautor – sondern ebenso zu einem wohlhabenden Mann.

 

Foto: Nicola Reimer